Frailty
Klinischer Frailty Skala
- der Anteil von Patienten mit einem Clinical Frailty Scale (CFS) ≥ 5 stieg von 24 % bei ICU-Aufnahme nach 6 Monaten auf 45 % an
- Verschlechterung des CFS bei 40 % aller ICU Patienten zwischen 51 und 70 Jahren nach 1 Jahr
Das Erheben des Frailty-Status kann prognostisch zur Einschätzung einer möglichen Entlassung in die Häuslichkeit herangezogen werden. Gebrechliche Patienten (CFS ≥ 5 Punkte) haben ein doppelt so hohes Risiko, nicht in das häusliche Umfeld entlassen zu werden
- Die Kombination aus Demenz und Delir führt zu einem 9-fach höheren Risiko, ein Pflegefall zu werden
- Entwickeln Patienten mit Gebrechlichkeit ein Delir, erhöht sich die Mortalitätsrate auf 35%
- Weniger der Schweregrad der Akuterkrankung als vielmehr die Anzahl der vorbestehenden Begleiterkrankungen haben Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität 1 Jahr nach einer intensivmedizinischen Behandlung.
Frailty
- Die Ursachen für Frailty sind multifaktoriell und führen über molekulare und zelluläre Schäden zu einer eingeschränkten physiologischen Reserve, die alle Organe betreffen können
- Die Clinical Frailty Scale (CFS) kann für die Vorhersage von Mortalität (Prognose) für alle Altersklassen genutzt werden, prädiktiert die Mortalität aber nur bei jüngeren Intensivpatienten (< 64 Jahre).
- Vorbestehende kognitive Störungen sind ein relevanter Prognosefaktor für betagte Patienten und können im Verlauf aggravieren.
Das Erfassen der Risikoparameter erscheint für die Prognoseeinschätzung und Entscheidungsfindung notwendig, ist aber zugleich zeitintensiv. Zwar kann man sich auf verlässliche Kurz-Assessment-Instrumente beschränken, dennoch ist es in Akutsituationen nur schwer möglich, die notwendigen Informationen einzuholen. Umso wichtiger ist es, die Risikoparameter standardmäßig zum Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme möglichst vollständig zu erfassen. Das Screening auf Gebrechlichkeit mittels CFS und die Erfassung eines Delirs im Bereich der Notaufnahme sind möglich. Beide Parameter stehen für ein erhöhtes Risiko eines verlängerten Krankenhausaufenthalts, eine höhere Sterblichkeit und ein größeres Risiko, nicht in die Häuslichkeit entlassen zu werden.
Festlegung der Therapie Ziele
Zentrale Fragen für die Therapieziel-Festlegung lauten:
- Sind die Ziele des Patienten mit der angebotenen Behandlung zu erreichen (Nutzen der Behandlung)?
- Sind die notwendigen Behandlungsmaßnahmen für diesen individuellen Patienten machbar (Ressourcen des Patienten)?
Wenn beides "JA": Behandlung des Patienten.
- Ein Therapieversuch muss zeitlich genau definiert (z. B. 48–72 h) und an über den Behandlungserfolg eindeutig aussagekräftige Kriterien geknüpft werden.
Änderung des Therapieziels
Alle 24 h prüfen:
- Kann das angestrebte Therapieziel erreicht werden?
- Entspricht das Therapieziel weiterhin dem Wunsch des Patienten?
- Ist das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko gerechtfertigt?
Werden diese Fragen mit „Nein“ beantwortet, gilt es, die festgelegten Therapieziele anzupassen und ggf. den kurativen Behandlungsansatz zu verlassen.
