# Anästhesie bei Hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen (HES)

\#Schwangerschaft #Notfall

# Eklamptischer Anfall

- Therapie und Prophylaxe mit Magnesiumsulfat (MgSO4) 4-6 g über 20 Minuten, anschließend 1-2 g/h
- Antidot für MgSO4: Kalziumgluconat 1 g bzw. 10 ml einer 10%igen Lösung

# Hypertensiver Notfall

- Akut-Therapie erwägen, wenn RR ≥160 mmHg systolisch und/oder ≥110 mmHg diastolisch
- insbesondere, wenn über 15 Minuten anhaltend und/oder mit lebensbedrohlichen Begleitsymptomen

<table id="bkmrk-medikament-dosierung"><thead><tr><th>Medikament</th><th>Dosierung</th></tr></thead><tbody><tr><td>Urapidil</td><td>5-10 mg i.v., ggf. wiederholen</td></tr><tr><td>Nifedipin</td><td>5 mg p.o., ggf. nach 20 min wiederholen</td></tr><tr><td>Dihydralazin</td><td>5 mg iv., ggf. nach 20 min wiederholen</td></tr><tr><td>Bei gleichzeitig bestehender Herzinsuffizienz/Lungenödem ggf. 10-20 mg Furosemid i.v. und/oder 0,4-0,8 mg Nitroglycerin s.l.</td><td></td></tr></tbody></table>

# HELLP-Syndrom

## Typisches Labor:

- hämolytische Anämie
- erhöhte Leberenzyme
- erniedrigte Thrombozytenzahl

## mögliche zusätzliche Klinik

Oberbauchschmerzen, Hypertonie, Übelkeit/ Erbrechen, Kopfschmerzen, Visusstörungen, Ikterus

> \[!warning\] CAVE! Unspezifischer Verlauf. Unter Umständen sehr schnelle Exazerbation. Leberruptur, (intrazerebrale) Blutungen, DIC, Multiorganversagen möglich! Hohe Morbidität und Mortalität

# Analgesie und Anästhesie bei HES

- RM-nahe Verfahren bevorzugen
- Gerinnung beachten, stabile Thrombozyten-Zahl von ≥70 Gpt/l meist ausreichend, **cave: rascher Abfall möglich!!**
- Weitere Organbeteiligungen antizipieren
- Großzügig erweitertes Monitoring
- Großzügig TTE zu Therapieplanung und -steuerung
- MgSO4-Perfusor intraoperativ weiterlaufen lassen
- Zurückhaltende Infusionstherapie

> \[!NOTE\] Allgemeinanästhesie Bolus von 0,5 - 1 µg/kg Remifentanil und ggf. 2 g Magnesiumsulfat als Kurzinfusion falls keine Vorbehandlung

> \[!warning\] Cave! Hämodynamische Stabilisierung vor Anästhesiebeginn anstreben! Ggf. überhöhte RR-Werte senken und weiteren RR-Anstieg unter Laryngoskopie und Hautschnitt (Gefahr der ICB!) durch Einsatz von Antihypertensiva und/oder Opioiden bereits zur Einleitung vermeiden!

Quelle: Greve, Susanne, P. Kranke, U. Pecks, D. Schlembach, und T. Girard. „Die neue S2k-Leitlinie ‚Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft (HES): Diagnostik und Therapie‘ – Was müssen AnästhesistInnen wissen?“ *Die Anaesthesiologie* 74, Nr. 7 (2025): 446–52. [https://doi.org/10.1007/s00101-025-01542-5](https://doi.org/10.1007/s00101-025-01542-5).