Anästhesie bei Begleiterkrankungen

Anästhesiologisch relevante Begleiterkrankungen und ihre spezifische Narkoseführung

Anästhesie bei Aortenklappenstenose

Narkoseführung

Parameter (Patho)physiologie Anästhesiologisches Vorgehen
Herzrhythmus und -frequenz Der atrialen Ventrikelfüllung kommt bei diastolischer Dysfunktion ein Anteil bis zu 40 % zu, der bei unkoordinierter Aktion von Vorhof und Kammer verloren geht. Tachykardien können durch die Verkürzung der Diastole zu einer eingeschränkten Myokardperfusion führen Erhalt eines niedrig-normalfrequenten Sinusrhythmus
Blutdruck Eine Hypotension führt zu einer eingeschränkten Myokardperfusion. Eine Hypertension führt zu einem erhöhtem Sauerstoffbedarf des Myokards. Beide Zustände können Herzrhythmusstörungen oder Ischämien bedingen Erhalt des präoperativen Blutdrucks (Abweichung bis maximal −20 % tolerieren), Narkoseeinleitung ggf. nach Anlage einer kontinuierlichen Blutdruckmessung sowie unter laufendem Norepinephrinperfusor
Inotropie Ein Verlust der Kontraktilität kann den Auswurf des Ventrikels beeinträchtigen und zu einer Dekompensation führen. Eine Steigerung der Inotropie steigert den Sauerstoffverbrauch und kann bei septaler Hypertrophie ggf. eine subvalvuläre Stenose triggern Cave: Bei der Anwendung von stark negativ-inotrop wirkenden Medikamenten (z. B. β‑Blockern). Vorsichtig titrierter Einsatz bei positiv-inotropen Medikamenten (z. B. Adrenalin), ggf. Echokardiographie
Volumenstatus Bei diastolischer Dysfunktion ist eine adäquate ventrikuläre Vorlast zur ausreichenden Füllung der Kammer erforderlich Einsatz von Echokardiographie zu Evaluation und Optimierung des Volumenstatus. Vermeidung unnötig langer Nüchternzeite

Vermeide

Erhalte

Monitoring

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft und Stillzeit

Stillzeit

Stillende Patientin

Definition und Mechanismen

Anästhetika und Muttermilch

Anästhesiemanagement

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Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Physiologische Veränderungen

Organsystem physiologische Veränderungen
respiratorisch - Sauerstoffverbrauch (+20%)
- alveoläre Ventilation (+50%)
- Atemfrequenz (+15%)
- Atemzugvolumen (+40%)
- FRC (−20%)
- paO2 (+10%)
- paCO2 (−20%)
kardiovaskulär - Herzzeitvolumen (+50%)
- Herzfrequenz (+20%)
- Schlagvolumen (+35%)
- systemischer Gefäßwiderstand (–20%)
hämatologisch-hämostaseologisch - Blutvolumen (+50%)
- Erythrozytenvolumen (+)
- Plasmavolumen (+)
- Fibrinogen (+)
- Faktor VII, VIII, IX, vWF (+)
- Plasminogen (+)
- Protein C, S (−)
renal - glomeruläre Filtrationsrate (+)
- renaler Plasmafluss (+)
- Osmolalität (−)

Aufgrund der erniedrigten FRC und des erhöhten Sauerstoffverbrauchs haben Schwangere während der Narkoseeinleitung eine verminderte Apnoetoleranz.

Bei einer sorgfältig durchgeführten und dann unauffälligen Schwangerschafts- und [[Blutungsanamnese]] sind keine Laboruntersuchungen zur Gerinnung vor rückenmarknahen Regionalanästhesieverfahren erforderlich.

Rechtliches

Generell ist eine Frau auch unter der Geburt aufklärungsfähig, wenn sie in der Lage ist, der Aufklärung zu folgen und die Tragweite ihrer Entscheidung einzuschätzen. Es ist eine ärztliche Abwägung, ob die Patientin aufklärungsfähig ist. Auch wenn die Schwangere bei der Aufklärung im Kreißsaal – z. B. infolge der belastenden Wehentätigkeit – nur als eingeschränkt aufnahmefähig eingeschätzt wird, macht die Rechtsprechung keine besonders strengen Vorgaben. Erleichternd ist in solchen Situationen, wenn eine medizinische Indikationsstellung für das Regionalanästhesieverfahren, z. B. basierend auf der Einschätzung eines Geburtshelfers, vorliegt. Das Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt (2014) weist darauf hin: Wenn die Mutter unter der Geburt nicht mehr über das Legen einer PDA entscheiden kann, ist für die Rechtfertigung des Eingriffs der mutmaßliche Wille der Patientin ausschlaggebend.

geburtshilfliche Analgesie

Die neuroaxiale Analgesie gilt unabhängig von der Weite des Muttermundes als Goldstandard bei der Linderung des Wehenschmerzes.

geburtshilfliche Anästhesie

Allgemeinanästhesie

Narkoseeinleitung

Hypnotika

Zur Awareness Vermeidung ausreichende Dosierung wichtig!

Lagerung

Spinalanästhesie

Die S1-Leitlinie empfiehlt zur Anlage einer Spinalanästhesie > - eine niedrige Dosierung des Lokalanästhetikums (z. B. 10 mg Bupivacain) > - in Kombination mit einem Opioid für eine bessere Anästhesie und hämodynamische Stabilität im Rahmen der reduzierten Lokalanästhetikamenge. > >Eine mögliche Kombination in der täglichen Praxis sind 8–10 mg (1,8–2 ml) Bupivacain 0,5% hyperbar und 5 µg Sufentanil. ## Periduralanästhesie

Praxistipp Ausschluss Katheterfehllage: Vor dem „Aufspritzen“ einer PDA sollte, wenn die Zeit ausreicht, eine intrathekale oder intravasale Fehllage ausgeschlossen werden. Bei einem negativen Aspirationstest mit direkt am Katheter aufgesetzter Spritze zum Ausschluss von Fehllagen eignet sich eine Testdosis von 40 mg Lidocain. Alternativ erfolgt die Gabe einer ersten kleinen Fraktion des Lokalanästhetikums, das für das Aufspritzen (Wirkdosis) intendiert ist, z. B.:
- 2–3 ml Ropivacain 0,75%
-Abwarten mit Blick auf das Eintreten einer mutmaßlich spinalen Wirkung
- Injektion der restlichen z. B. 15 ml Ropivacain 0,75%.
- nach Gabe von 5–20 ml Ropivacain 0,75% dauert es in der Regel 10–15 min, bis ein suffizientes Anästhesieniveau erreicht ist.

Quellen: https://eref.thieme.de/ejournals/1439-1074_2023_10#/10.1055-a-2043-4329

Frailty

Klinischer Frailty Skala

Das Erheben des Frailty-Status kann prognostisch zur Einschätzung einer möglichen Entlassung in die Häuslichkeit herangezogen werden. Gebrechliche Patienten (CFS ≥ 5 Punkte) haben ein doppelt so hohes Risiko, nicht in das häusliche Umfeld entlassen zu werden

- Weniger der Schweregrad der Akuterkrankung als vielmehr die Anzahl der vorbestehenden Begleiterkrankungen haben Einfluss auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität 1 Jahr nach einer intensivmedizinischen Behandlung.

Klinische Frailty Skala

Frailty

Das Erfassen der Risikoparameter erscheint für die Prognoseeinschätzung und Entscheidungsfindung notwendig, ist aber zugleich zeitintensiv. Zwar kann man sich auf verlässliche Kurz-Assessment-Instrumente beschränken, dennoch ist es in Akutsituationen nur schwer möglich, die notwendigen Informationen einzuholen. Umso wichtiger ist es, die Risikoparameter standardmäßig zum Zeitpunkt der Krankenhausaufnahme möglichst vollständig zu erfassen. Das Screening auf Gebrechlichkeit mittels CFS und die Erfassung eines Delirs im Bereich der Notaufnahme sind möglich. Beide Parameter stehen für ein erhöhtes Risiko eines verlängerten Krankenhausaufenthalts, eine höhere Sterblichkeit und ein größeres Risiko, nicht in die Häuslichkeit entlassen zu werden.

Festlegung der Therapie Ziele

Zentrale Fragen für die Therapieziel-Festlegung lauten:

Wenn beides "JA": Behandlung des Patienten.

Änderung des Therapieziels

Alle 24 h prüfen:

Werden diese Fragen mit „Nein“ beantwortet, gilt es, die festgelegten Therapieziele anzupassen und ggf. den kurativen Behandlungsansatz zu verlassen.

Anästhesie bei Herzinuffizienz

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Pencillin-Allergie

Vorgehen bei Penicillinallergie

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